Umwelt

EIN TROPFEN AUF DEN HEISSEN STEIN

Welche neuen Forschungsergebnisse können uns Aufschluss über die Zukunft des grönländischen Eisschildes geben?

VON SHANEY HUDSON

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Seit mehr als 12.000 Jahren ist der grönländische Eisschild das gefrorene Herz der Arktis. Eiskernproben geben den Wissenschaftlern Aufschluss darüber, wie das Klima vor Tausenden von Jahren war. Doch während sich die Erde immer weiter erwärmt und der grönländische Eisschild schmilzt, schauen die Wissenschaftler jetzt auf die Vergangenheit des Eisschildes, um dessen Zukunft vorherzusehen. Ihre Ergebnisse helfen uns zu verstehen, wie die Entscheidungen, die wir heute treffen, diese wilde und fragile Landschaft morgen prägen werden – und wie weitreichend die Folgen eines sich schnell erwärmenden Grönlands für den Rest der Welt sein werden.

Eine ausgewogene Balance

Neben der Antarktis enthält der grönländische Eisschild 99 Prozent der weltweit gefrorenen Süßwasserbestände. Um die Gesundheit des grönländischen Eisschildes zu bemessen, verwenden Wissenschaftler eine Formel namens Oberflächenmassenbilanz: die Schneemenge, die der Eisdecke hinzugefügt wird, abzüglich der Menge, die durch Schmelzen und Verdampfen verloren geht. Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass der grönländische Eisschild im 19. Jahrhundert mehr oder weniger stabil war und erst seit dem 20. Jahrhundert einen variablen Massenverlust verzeichnete. Besonders in den letzten 20 Jahren hat die Eisverlustrate erheblich zugenommen. Im Sommer 2019 war die Oberflächenmassenbilanz die niedrigste seit Beginn der Aufzeichnungen.

Um die Gesundheit des grönländischen Eisschildes zu bemessen, verwenden Wissenschaftler eine Formel namens Oberflächenmassenbilanz: die Schneemenge, die dem Eisschild hinzugefügt wird, abzüglich der Menge, die durch Schmelzen und Verdampfen verloren geht.

Zukünftige Auswirkungen

Während die jüngsten Daten eine deutliche Beschleunigung des Eisverlustes zeigen, wurde im Nature Journal eine neue Studie veröffentlicht, die versucht, diesen Eisschildverlust in den Kontext der letzten 12.000 Jahre zu stellen. Ein Team multidisziplinärer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konzentrierte sich hierbei auf einen Teil Südwestgrönlands und verwendete modernste Methoden zur Messung des Eisverlustes. Sie richteten ihren Fokus zunächst auf das Zeitalter des Holozäns vor 12.000 Jahren und dann (unter Verwendung verfügbarer historischer Datensätze) auf einen zweiten Zeitraum von 1850 bis 2012. Basierend auf diesen Modellen aus Vergangenheit und Gegenwart modellierten sie schließlich einen dritten „zukünftigen“ Zeitraum für 2015 bis 2100. Die zukünftigen Modelle verwendeten zwei Benchmarks des repräsentativen Konzentrationspfads (RCP), anhand dessen der Weltklimarat verschiedene Szenarien für den Verlauf der absoluten Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre beschreibt. Eine Benchmark von RCP 2.6 – bei der die Kohlenstoffemissionen unter Einbeziehung von Negativemissionen weltweit drastisch gesenkt würden – wird hierbei als Best-Case-Szenario gesehen. Eine Benchmark von RCP 8.5 ist als „Weiter-so-wie-bisher“-Szenario zu verstehen und basiert auf der Annahme, dass die Emissionen im gleichen Maße wie bisher weiter ansteigen werden. Im Rahmen dieser zukünftigen Testszenarien kam die Studie zu dem Ergebnis, dass der Eisverlust sowohl empfindlich auf Emissionswerte reagiert als auch von diesen beeinflusst wird. Die Forscherinnen und Forscher gehen davon aus, dass der aktuelle Trend des Eismassenverlustes in Grönland der RCP-8.5-Kurve folgt. Die Forschungsergebnisse bieten nicht nur den eindeutigen Beleg dafür, dass der grönländische Eisschild zunehmend schneller an Masse verliert, sondern weist auch auf die ernüchternde Tatsache hin, dass der grönländische Eisschild möglicherweise in nur tausend Jahren vollständig verschwunden sein könnte.

Doch was bedeutet das?

Durch das Abschmelzen des grönländischen Eisschildes steigt vor allem der Meeresspiegel an. „Ein vollständiges Abschmelzen des grönländischen Eisschildes entspricht einem potenziellen Anstieg des Meeresspiegels um etwa sieben Meter“, sagt Jessica Badgeley, Forscherin an der Universität Washington, die an der Studie beteiligt war. „Es ist ein Süßwasserspeicher von unvorstellbaren Ausmaßen und schon das Schmelzen eines Teils davon wäre mit der Erhöhung des Meeresspiegels um mehrere Zentimeter verbunden – mit fatalen Folgen für Küstengemeinden auf der ganzen Welt.“ Die ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen, die ein Anstieg des Meeresspiegels mit sich bringt, sind in flachen Küstenregionen, in Inselstaaten wie in Kiribati und den Salomonen sowie in stärker industrialisierten Ländern wie den USA bereits jetzt deutlich zu spüren.

Fjorde machen Grönland aus

Ein Anstieg des Meeresspiegels kann zu Überschwemmungen, Bodenversalzung, Erosion, Verlust der biologischen Vielfalt und im Extremfall zur Überschwemmung ganzer Inseln führen, die dem ansteigenden Wasser zum Opfer fallen, was ganze Küstengemeinden zur Umsiedelung zwingen könnte. Weitere mögliche Komplikationen infolge des Eisverlustes sind Veränderungen der Zirkulationsmuster der Ozeane, des Wetters und des Klimas. „Der grönländische Eisschild ist ein Teil unseres komplexen arktischen Ökosystems und spielt eine entscheidende Rolle bei der Regulierung des globalen Klimas“, sagt Joshua Cuzzone, Forscher an der Universität von Kalifornien, der ebenfalls an der Studie beteiligt war. „Wenn der grönländische Eisschild seinen Kurs ändert, hat dies auch Auswirkungen auf unser globales Klima.“

Wie reisen wir Richtung Zukunft?

Unabhängig davon, ob die Benchmark von RCP 2.6 erfüllt wird oder nicht – der grönländische Eisschild wird weiter schmelzen. „Ich denke, eines muss man ganz klar sagen … selbst wenn wir unsere Treibhausgasemissionen drastisch reduzieren würden, ließe sich die Erderwärmung dadurch nicht in vollem Maße stoppen“, sagt Cuzzone. „Wir müssten uns dennoch auf einen gewissen Anstieg des Meeresspiegels einstellen.“ Cuzzone und Badgeley sind jedoch der Ansicht, dass wir die Zukunft Grönlands noch immer beeinflussen können. „Ich denke, eine wichtige Schlussfolgerung dieser Studie ist, dass wir nach wie vor etwas ausrichten können. Wenn wir es als globale Gesellschaft schaffen, jenen Szenarien mit sehr niedrigen Emissionen und einer hohen Reduzierungsrate zu folgen, werden wir noch Einfluss auf die Zukunft dieser Ökosysteme nehmen können“, sagt Badgeley. „Wir Menschen haben die Möglichkeit, Entscheidungen zu treffen, die sehr wahrscheinlich einen großen Einfluss darauf haben werden, wie es in Zukunft weitergeht.“

Mit den UN-Zielen zu einer nachhaltigen Entwicklung als Rahmenplan hat Hurtigruten die Nachhaltigkeit in alle Betriebsabläufe integriert. Das Unternehmen gründete auch die Hurtigruten Stiftung, deren Mittel in drei Hauptbereiche fließen: die Arterhaltung aller Meerestiere weltweit, die Bekämpfung der Meeresverschmutzung und der Verschmutzung durch Plastikabfälle und die Unterstützung von Forschungsprojekten in den Regionen, die von Hurtigruten im Rahmen unserer Expeditionsreisen erkundet werden, einschließlich Grönland.

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