BEGEGNUNGEN

Das Nordlicht im Wohnzimmerfenster

Sie ist in Norwegen aufgewachsen und daher mit dem Nordlicht bestens vertraut. Asta Lassesen, CEO Hurtigruten Expeditions, erzählt uns von der Magie, die dieses Naturphänomen auch im Alltag ausstrahlt.

INTERVIEW DANIELLE NORTON

Im Norden Norwegens kündigen die kürzer werden Wintertage den Beginn der Polarnacht (Mørketid) an.

Die Sonne verschwindet dann hinter dem Horizont und die gefrorene Landschaft wird nur noch für wenige Stunden von einem saften bläulichen Licht erhellt. Der atemberaubende Nachthimmel und die schneebedeckten Berge rund um Tromsø, das mehr als 350 km nördlich des Polarkreises liegt, bieten die perfekte Kulisse für Nordlichter, die hier von September bis April über den Himmel tanzen.

Tromsø liegt im Herzen des Auroraoval – der geographischen Region, in der man am ehesten Polarlichter sieht. Während viele Menschen aus aller Welt davon träumen, einmal im Leben Nordlichter zu sehen, gerhören sie hier im Winter zum Alltag der Bewohner. Asta Lassesen lebt in Tromsø und berichtet von ihrer nie nachlassenden Faszination der magischen Lichter.

Asta Lassesen, CEO Hurtigruten Expeditions. Foto: Rune Kongsro

Haben Sie als Kind von Ihrer Familie bestimmte Geschichten oder Mythen und Legenden über das Nordlicht mitbekommen?

Als ich klein war, hat uns das Nordlicht sehr fasziniert. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass meine Eltern viel darüber gesprochen haben, aber ich weiß noch, dass die Lichter sich bewegt haben, wenn man etwas Weißes in die Luft hielt. Wir haben damals gesagt, dass es eine Art Tanz ist – wie tanzende Seelen – und es vielleicht unsere Großeltern sein könnten, die nicht mehr bei uns waren. Wir haben uns mit den Lichtern also verbunden gefühlt. Natürlich hätte sich das Licht so oder so bewegt, aber wir dachten, es wäre wegen uns.

„Wenn ich mitbekomme, wie andere Menschen nach oben schauen und diese wunderbaren Lichter sehen, bekomme ich ein Gefühl dafür, wie beeindruckt unsere Gäste davon sind. Manche fangen an zu weinen.“

— Asta Lassesen

Wunderschönes Nordlicht über Norwegen. Foto: Stian Klo

Sind Sie immer noch aufgeregt, wenn die Nordlichter am Himmel auftauchen?

Das Nordlicht ist Teil unserer DNA. Wir sind daran gewöhnt. Wenn ich in der Küche bin und das Abendessen vorbereite, höre ich meine Kinder sagen: „Hey, Mama, schau mal aus dem Fenster“. Und dann sind die Lichter überall. Wir leben ziemlich weit oben im Norden und manchmal klopfen Touristen an meine Tür und fragen: „Dürfen wir hier stehen und Fotos machen?“ Es ist wirklich faszinierend, weil die ganze Stadt unter einem liegt und oben am Himmel das Nordlicht leuchtet.

Wie ist es für Sie, wenn Sie miterleben, wie die Gäste zum ersten Mal das Nordlicht sehen?

Wenn ich mitbekomme, wie andere Menschen nach oben schauen und diese wunderbaren Lichter sehen, bekomme ich ein Gefühl dafür, wie beeindruckt unsere Gäste davon sind. Manche fangen an zu weinen. Sie haben seit Jahren auf diesen Moment gewartet und sind total fasziniert. Ich bekomme auch mit, wie sie diesen Moment mit ihren Freunden, ihren Kindern, ihrer Familie, ihrem Mann teilen, und das ist ebenfalls sehr bewegend. Für uns ist das genau der Punkt, um den es geht – es Menschen zu ermöglichen, an Bord unserer Schiffe solche Momente zu erleben. Das ist jeden Tag aufs Neue unser Ziel.

Ein Mitglied des Expeditionsteams erzählt an Deck Geschichten über das Nordlicht. Foto: Ørjan Bertelsen

Was macht das Nordlicht-Erlebnis mit Hurtigruten so besonders?

Was ich daran so mag, Gäste auf dem Schiff zu haben, ist die Tatsache, dass wir ihnen auch noch all die anderen Dinge zeigen können, die die norwegische Küste in der Winterzeit so besonders machen. Dann stellen die Leute fest, dass das Nordlicht zwar faszinierend ist, es aber auch noch so viele andere Dinge gibt. Mit uns ist man mittendrin. Unsere Gäste können eine echte Beziehung zur norwegischen Küste, den Menschen und Gemeinden vor Ort aufbauen. Wenn sie wieder nach Hause zurückkommen, erzählen sie bestimmt allen davon, dass das Nordlicht wirklich unglaublich war, sie aber jeden Tag an Bord des Schiffs und an Land noch so viele weitere faszinierende Erlebnisse hatten.

Wer nach Norwegen kommt und das Nordlicht sieht, wird dieses Erlebnis für immer in Erinnerung behalten. Mir ist es extrem wichtig, dass unsere Gäste das Nordlicht ausgiebig erleben können, weil ihnen das so viel bedeutet.

Immer mehr Menschen sind fasziniert von den Nordlichtern. Welchen Einfluss hat das auf den Tourismus und die Gemeinden im Norden Norwegens?

Als größter Reiseveranstalter Norwegens konnten wir mit unserem Konzept „Auf der Jagd nach dem Licht“ den Wintertourismus fördern. Das war für unsere Anbieter und die kleinen Gemeinden an der norwegischen Küste von entscheidender Bedeutung. Vorher waren sie nur von Juni bis August im Geschäft und nun läuft es das ganze Jahr über. Das ist für die Touristikbranche in Norwegen allgemein extrem wichtig.

Im Sommer haben wir die Mitternachtssonne zu bieten. Im Winter gibt es das Nordlicht und die sogenannte blaue Stunde, die wirklich spektakulär ist – vor allem für Fotografiebegeisterte.

Die MS Spitsbergen im Schimmer des Nordlichts auf der Fahrt zwischen Stokmarknes und Sortland. Foto: Hege Abrahamsen

Möchten Sie mehr über die Mythen und Legenden rund um das Nordlicht erfahren?

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