ERLEBNIS NORDWEST-PASSAGE

Ein Weg durch das Eis

Dieser legendäre Seeweg ist nur zur Zeit des nordischen Hochsommers zugänglich, wenn die weiße Wüste zu schmelzen beginnt und die Natur endlich wieder zum Vorschein kommt.

VON CARRIE HUTCHINSON

Holen Sie sich Ihr Reiseerlebnis nach Hause | Nordwest-Passage

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In der Nordwest-Passage befinden Sie sich auf dem „Dach der Welt“. Nur ein kleines Zeitfenster von wenigen Wochen im Sommer ermöglicht die Durchquerung. Das Eis, das die Nordwest-Passage normalerweise blockiert, beginnt dann zu schmelzen und zieht sich gerade weit genug zurück, um es Schiffen zu ermöglichen, durch die engen Kanäle zu navigieren – in den meisten Jahren jedenfalls. Dies ist glücklicherweise auch die Zeit, zu der die Tiere in dieser Region am aktivsten sind und die Natur zum Leben erwacht – die Eisbären sind unterwegs, Wale begeben sich auf Futtersuche und Walrosse und Robben tummeln sich auf den schwimmenden Eisschollen.

Baffininsel. Foto: Michael Studinger - NASA, Shutterstock

Wo genau befindet sich die Nordwest-Passage?

Die Nordwest-Passage ist ein Seeweg, der durch das Nordpolarmeer entlang der Nordküste Nordamerikas verläuft und den Atlantik mit dem Pazifik verbindet. Zahlreiche Inseln liegen im Bereich der Nordwest-Passage. Eine davon, Baffin Island, ist die fünftgrößte Insel der Welt. Dort leben gerade einmal 13.000 Menschen. Neu sind menschliche Siedlungen hier allerdings keinesfalls: Seit mehr als 3.000 Jahren sind die Inuit bereits auf der Insel zuhause. Erst seit Kurzem ist es möglich, die Nordwest-Passage mit Expeditionsschiffen zu durchqueren. Die meisten Expeditionen finden derzeit zwischen Juli und September statt. Man geht aber davon aus, dass die Nordwest-Passage aufgrund des Klimawandels in Zukunft besser zugänglich sein wird.

Eine echte Herausforderung für Entdecker

Jahrhundertelang hat man versucht, die Nordwest-Passage zu durchqueren. Die Wikinger segelten zu einigen der hiesigen Inseln, um mit den Inuit Handel zu treiben. Später, im 16. Jahrhundert, wurde die Gegend dann zu einem äußerst begehrten Ziel für europäische Entdecker. John Cabot war der erste, der sich an der Durchquerung der Nordwest-Passage versuchte, als er 1497 zu seiner Mission aufbrach, eine kürzere Route nach Asien zu finden. Viele erfahrene Seeleute wie zum Beispiel Frances Drake und James Cook näherten sich sowohl vom Atlantik als auch vom Pazifik und entdeckten verschiedene Meerengen und Inseln. Einige kehrten zurück, andere hatten weniger Glück.

Der Kommandant der HMS Investigator Robert McClure und seine Mannschaft waren die ersten Menschen, die die Nordwest-Passage vollständig durchquerten. Es dauerte vier Jahre, denn das Schiff blieb über drei Winter hinweg im Eis stecken. Das letzte Stück der Reise wurde im Rahmen einer Rettungsmission mit dem Schlitten zurückgelegt.

Der erste Entdecker, dem eine komplette Durchquerung der Passage mit dem Schiff gelang, war der norwegische Polarforscher Roald Amundsen. Im Juni 1903 brach er mit seinen sechs Besatzungsmitgliedern an Bord der Gjøa, einem umgebauten Schiff, das zuvor für den Heringsfang genutzt worden war, von Oslo auf. Die Gjøa hatte einen sehr geringen Tiefgang und Amundsen ging davon aus, mit dem Schiff nah an der Küste entlangsegeln zu können. Zwei Jahre steckte er bei King William Island im Eis fest, konnte die Nordwest-Passage im August 1905 dann aber schließlich durchfahren.

Es folgte eine Reihe von Expeditionen mit den unterschiedlichsten Schiffen, unter anderem sogar mit einem U-Boot, aber erst 1984 gelang einem Kreuzfahrtschiff die Durchfahrt. Versuche, die Nordwest-Passage mit Expeditionsschiffen zu durchqueren, haben in den letzten zehn Jahren zugenommen, aber es bleibt nach wie vor eine Reise, zu der nur sehr wenige Menschen die Gelegenheit haben.

Gefangen im Packeis der Arktis: HMS Investigator, 20. August 1851. Bild: Samuel Gurney Cresswell (1827—1867), National Maritime Museum, Greenwich, London

Atemberaubender Sonnenaufgang über Dundas Harbour, Kanada. Foto: Camille Seaman, Hurtigruten


Was erwartet Sie in der Nordwest-Passage?

Es ist nie garantiert, dass eine Durchquerung der Nordwest-Passage tatsächlich möglich ist. Aufgrund der Eis- und Wetterbedingungen muss die Reiseroute oft täglich angepasst werden. Es gibt aber eine Reihe von spektakulären Erlebnissen auf den 19- bis 26-tägigen Expeditionen, und unsere Hurtigruten-Kapitäne versuchen ihr Bestes, um möglichst viele davon für die Gäste zu verwirklichen.

In Gjøa Haven, im Herzen der Nordwest-Passage, hat Amundsen seine berühmten zwei Winter verbracht. Er bezeichnete diesen Ort als „den schönsten kleinen Hafen der Welt“. Die Nesilik Inuit brachten Amundsen einige Überlebenstechniken bei und erwiesen ihre Gastfreundschaft auch noch einer Reihe weiterer gestrandeter Entdecker. 1927 errichtete die Hudson’s Bay Company hier einen Handelsposten, der schließlich zu einer dauerhaften Siedlung wurde.

An der Nordküste von Baffin Island liegt Pond Inlet, oder Mittimatalik, in der Bezeichnung der Inuit. Es handelt sich um die größte Stadt im Norden der Insel. Sie ist wirklich atemberaubend – nicht zuletzt, weil sie auf drei Seiten von Bergen umgeben ist. Ob Sie Fjorde, Gletscher oder Eisberge sehen möchten – dieses Fleckchen Erde sollten Sie sich auf keinen Fall entgehen lassen. Auch die Tierwelt ist hier besonders faszinierend. Eisbären und Karibus sind in großer Zahl vorhanden und es ist einer der besten Orte überhaupt, um Narwale zu erspähen.

MS Roald Amundsen, Gjøa Haven, Kanada. Foto: Camilla Seaman, Hurtigruten

Ulukhaktok an der Westküste der Victoria-Insel, Kanada. Foto: Ruben M Ramos, Shutterstock

In Ulukhaktok können Sie Künstlern und Kunsthandwerkern einen Besuch abstatten. In Fort Ross ist der verlassene Handelsposten sehenswert und auf Beechey Island liegen drei Männer der verschollenen Franklin-Expedition von 1845 begraben – alle 129 Besatzungsmitglieder der zwei Schiffe kamen damals ums Leben. Forscher entdeckten 2015 vor Gjøa Haven die Überreste der beiden Schiffe von Franklin, der HMS Erebus und der HMS Terror.

Die Geschichte reicht in diesem Teil der Welt allerdings sehr viel weiter in die Vergangenheit zurück. Auf Devon Island, der größten unbewohnten Insel der Erde, befinden sich mehrere archäologische Stätten aus der Zeit der Thule. Diese Vorfahren der modernen Inuit lebten hier vor mehr als einem Jahrtausend. Ebenso interessant ist aber auch die Landschaft, die mancherorts an die Oberfläche des Mars erinnert. Und tatsächlich leben hier zeitweilig Wissenschaftler auf einer Forschungsstation, um zu simulieren, wie das Leben und Arbeiten auf dem roten Planeten ausschauen könnte.

Selbstverständlich ist jede Seereise durch die Nordwest-Passage anders. Aber egal, welcher Kurs auf Ihrer Reise eingeschlagen wird – Sie können sicher sein, dass Sie ein einzigartiges und unvergessliches Erlebnis genießen werden.

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