UMWELT

Im Kampf gegen die Helligkeit

Auf der Erde wird es immer heller, aber was bedeutet das für die Arktis?

VON SHANEY HUDSON

Von der Biolumineszenz der Fjorde bis zu den Lagerfeuern, die die Dunkelheit in Schach halten: Licht verbindet man mit Behaglichkeit und Sicherheit, denn man kann seinen Weg durch die Dunkelheit nach Hause finden.

Schätzungen zufolge nimmt künstliches Licht weltweit jedes Jahr um mindestens zwei Prozent zu – sowohl was seine Strahlkraft betrifft als auch den ausgeleuchteten Bereich. Der technische Fortschritt hat dazu geführt, dass es in unserer Welt mittlerweile immer irgendwo leuchtet. Industrie, Infrastruktur und Weltwirtschaft sorgen dafür, dass das Licht rund um die Uhr eingeschaltet bleibt.

Norwegen von seiner besten Seite. Foto: Michael Heymann / Fotowettbewerb

Ein zunehmendes Problem

So sehr die Gesellschaft auch von dem Schutz und der Sicherheit profitiert, den das Licht bietet – die Lichtverschmutzung wird immer mehr zum Problem. Es gibt drei Arten von Lichtverschmutzung: direkte Strahlung, Lichtreflexion und den sogenannten „Sky Glow“. Dabei handelt es sich um eine Lichtausstrahlung nach oben, bei der das Licht von Wolken und Molekülpartikeln in der Luft zurückgeworfen wird. Für den normalen Stadtbewohner bedeutet Lichtverschmutzung, dass die Sterne vielleicht nicht so hell leuchten. Für jemanden, der das Nordlicht erleben möchte, bedeutet Lichtverschmutzung, dass das Lichterschauspiel am Himmel möglicherweise gar nicht zu sehen ist. Für die Natur jedoch geht es um Leben und Tod. Von der Orientierungsfähigkeit bis zur Unterbrechung der Nahrungskette wirkt sich künstliches Licht extrem auf die Umwelt aus. Seevögel sind einem größeren Risiko durch Raubtiere ausgeliefert, wenn ihre Brut- und Nistplätze beleuchtet sind. Babyschildkröten verlieren die Orientierung, wenn an den Stränden, an denen sie schlüpfen, Lampen aufgestellt werden. „Selbst in der Dunkelheit ist Licht für die meisten Lebensformen ein regulierender Faktor“, so Professor Jørgen Berge vom Universitätszentrum Spitzbergen. „Wenn wir dann kommen und das Licht einschalten, beeinflussen wir die Organismen in unserer Umgebung damit ganz entscheidend.“

„Die Biolumineszenz kann etwas absolut Fantastisches sein, aber sie macht einem auch Angst, weil man sich in dieser großen schwarzen Welt so unglaublich klein vorkommt.“

— Professor Jørgen Berge

Eines der größten Naturschauspiele überhaupt. Foto: Hurtigruten

Wie läßt sich Lichtverschmutzung messen?

Es wurden zwei Hauptmethoden entwickelt, um die Lichtverschmutzung zu messen. Die Bortle-Skala definiert neun Klassen von Dunkelheit anhand des Ortes. Die zweite Methode ist das Sky Quality Meter, oder SQM. Dabei handelt es sich um ein Instrument, das die Leuchtdichte am Himmel misst und quantifiziert. Beide Methoden wurden für Astronomen entwickelt, um zu bestimmen, welche Qualität der Himmel für die Sternbeobachtung aufweist. Es ging hier nicht um die Auswirkungen der Lichtverschmutzung auf die Natur und die Tierwelt. Aber jedem, der schon einmal gesehen hat, wie sich eine Motte von einer Kerzenflamme angezogen fühlt, dürfte klar sein, dass Licht einen großen Einfluss auf Lebewesen hat. Diese Auswirkungen lassen sich aber wesentlich schlechter messen – besonders im Polarwinter in der Arktis. Professor Berge hat aber genau das versucht. Die These, dass Meereslebewesen während des Polarwinters nicht aktiv sind, konnte er mit seiner Forschung widerlegen. „Die Polarnacht ist ein wichtiger Teil des Lebenszyklus der meisten arktischen Organismen“, sagt Berge. Berge schaltete die Lichter seines Forschungsschiffes während des Polarwinters aus und konnte zeigen, dass Mikroorganismen von Licht beeinflusst wurden: In Tiefen von bis zu 200 m wurden sie sowohl vom Licht abgestoßen als auch angezogen. „Organismen sind quasi fest dazu veranlagt, auf Licht zu reagieren“, erklärt Berge. „Zooplankton wandert in der Polarnacht zum Beispiel in vertikale Richtung und ist darauf angepasst, auf extrem kleine Veränderungen der Lichtverhältnisse zu reagieren.“ Das dünner werdende Meereis ist ein weiteres Problem in der Arktis, das sich auf die Lichtverschmutzung auswirkt. Eis- und Schneedecken sind ein extrem wirksames Mittel, um Licht fernzuhalten, da 99 Prozent davon reflektiert werden. Werden diese Decken nun dünner, können sowohl natürliche als auch künstliche Lichtquellen in eine ansonsten dunkle Umgebung eindringen. Und wenn das Meereis weiter abnimmt, werden in Zukunft mehr Schiffe in den arktischen Gewässern unterwegs sein – die meisten davon aus Sicherheitsgründen mit starker Beleuchtung.

Ausschalten

Was kann man also tun? Überraschenderweise so einiges. Als Einzelperson ist die einfachste Option, das Licht auszuschalten, wenn man es nicht benötigt. Aber auch die Regierungen können zu Veränderungen beitragen, indem sie die Lichtnutzung regulieren und Richtlinien aufstellen, um der Tierwelt zu helfen. Im Jahr 2020 hat die australische Regierung formelle nationale Richtlinien zum Thema Lichtverschmutzung herausgegeben, in denen es nicht nur um die Wichtigkeit eines optimalen Lichtdesigns, sondern auch um betroffene Lebensbereiche von Tieren geht.

Norwegischer Hafen bei Nacht. Foto: Hurtigruten

Und es gibt Bewegungen, die sich nicht nur dem Tierschutz widmen, sondern dem Ziel, den Nachthimmel in seiner ganzen wunderbaren Pracht zu erhalten. Im isländischen Reykjavik wurden kürzlich alle Lichter ausgeschaltet, um den Einwohnern die Möglichkeit zu geben, die beeindruckende Atmosphäre des Nachthimmels zu genießen. Weltweit gibt es Initiativen zur Einrichtung von Nachthimmel-Schutzgebieten, um Orte zu würdigen und zu schützen, die fantastische Bedingungen für die Sternbeobachtung bieten. Berge widmet sich zwar den wissenschaftlichen Aspekten des Lichts, hat aber auch Ehrfurcht vor der Dunkelheit und den Wundern, die sie birgt. „Die Biolumineszenz kann etwas absolut Fantastisches sein, aber sie macht einem auch Angst, weil man sich in dieser großen schwarzen Welt so unglaublich klein vorkommt“, sagt Berge. „Es ist wunderschön, weil man Dinge sieht und hört, die man zuvor nicht sehen oder hören konnte. Es gibt da draußen ein Leben komplett im Verborgenen.“

Mit den UN-Zielen zu einer nachhaltigen Entwicklung als Rahmenplan hat Hurtigruten die Nachhaltigkeit in alle Betriebsabläufe integriert. Das Unternehmen gründete auch die Hurtigruten Stiftung, deren Mittel in drei Hauptbereiche fließen: Die Erhaltung der weltweiten Eisbärenpopulation, die Bekämpfung der Meeresverschmutzung u.a. durch Plastikabfälle sowie die Durchführung lokaler und globaler Projekte in den Gebieten, die von Hurtigruten erkundet werden.

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