WISSENSCHAFT

DEN BLICK GEN HIMMEL GERICHTET

Dr. John Masons Leidenschaft für das Nordlicht begann bereits vor Jahrzehnten. Seine aktuelle Mission besteht jedoch darin, sein Wissen über den arktischen Himmel weiterzugeben.

VON JOHN BURFITT

Das Nordlicht ist ein Thema, über das der britische Physiker und Astronom Dr. John Mason stundenlang reden könnte. Die Aurora Borealis, wie das Nordlicht in der Fachsprache bezeichnet wird, beschäftigt den renommierten Wissenschaftler bereits seit Jahrzehnten.

So wortreich er das Phänomen auch beschreiben kann – es gibt ein Wort, auf das Mason immer wieder zurückkommt: Geduld.

© Dr John W. Mason

„Geduld ist das allerwichtigste, wenn sich jemand auf die Reise begibt, um das Nordlicht zu sehen“, sagt Dr. Mason. „Die Natur richtet sich nicht immer unbedingt nach unserem Zeitplan, aber wenn die Polarlichter dann erscheinen, ist das Erlebnis meist jeden Moment des Wartens wert.“ Der 5. August 1972 ist ein bedeutsames Datum für Dr. Mason. Es ist der Tag, an dem der damals 18-Jährige bei einem seltenen Schauspiel des Nordlichts über Südengland der Faszination dieses unglaublichen Naturphänomens erlag. „Und seitdem hat die Begeisterung nicht wieder nachgelassen – es macht süchtig, fast wie eine Droge“, sagt er und lacht dabei. „Egal, wie fantastisch das letzte Erlebnis war – man will immer noch mehr sehen, weil man nie wissen kann, ob das nächste Mal nicht sogar noch besser wird.“

„Egal, wie fantastisch das letzte Erlebnis war – man will immer noch mehr sehen, weil man nie wissen kann, ob das nächste Mal nicht sogar noch besser wird.“

— Dr John Mason

© Dr John W. Mason

Der Himmel

Dr. Mason, 67, lebt in West Sussex im Vereinigten Königreich und reist seit 30 Jahren regelmäßig in arktische Regionen, um das Nordlicht zu erleben. Seit 2008 ist er mit Hurtigruten auf Seereisen entlang der norwegischen Küste unterwegs. Als Begleiter teilt er sein Wissen über den Himmel mit den Gästen. Wenn die Passagiere ihren Blick gen Himmel richten, gibt es eine Frage, die Dr. Mason immer wieder gestellt wird: Was genau ist das Nordlicht eigentlich? „Ich werde es nie müde diese Frage zu beantworten. Ich möchte, dass die Leute verstehen, wie fantastisch das ist, was wir dort sehen.“ Das Nordlicht entsteht, wenn elektrisch geladene Teilchen, die aus der äußeren Sonnenatmosphäre stammen, in einer Region um den magnetischen Nordpol herum, die als Auroraoval bezeichnet wird, in die Erdatmosphäre gelangen.

Photos © Dr John W. Mason

Wenn diese Partikel in der oberen Atmosphäre auf Sauerstoff- und Stickstoffatome und -moleküle treffen, wird dabei Licht erzeugt. Die häufigste Nordlichtfarbe in einer Höhe zwischen 100 und etwa 150 km über dem Erdboden ist ein blasses Grün. In über 150 km Höhe ist es ein mattes Rot, wobei man im Dämmerlicht manchmal auch einen Purpurton sehen kann. Türkis, Violett, Lila und Dunkelrot sind ebenfalls möglich. „Wenn man zum ersten Mal die Polarlichter sieht, nimmt das Auge zunächst oft nur einen Grauton wahr, aber das ändert sich dann langsam und man erkennt einen grünlichen Lichtbogen – manchmal mit Strahlen, die ein wenig an das Licht eines Suchscheinwerfers erinnern und vom Bogen aus nach oben ausstrahlen“, erklärt Dr. Mason. „Dieses Phänomen zeigt sich in einer großen Vielfalt verschiedener Formen, die sich zu etwas wirklich Erstaunlichem entwickeln können und sich manchmal innerhalb weniger Minuten ändern.“

© Dr John W. Mason

Die beste Zeit

In der Arktis dauert die Nordlichtsaison von Ende September bis Anfang April, da der dunkle Himmel dann die beste Sichtbarkeit der Lichter ermöglicht. „Man sieht die Farben nur, wenn das Licht stark genug ist, um die Farbsensoren in der eigenen Netzhaut zu aktivieren“, erklärt Dr. Mason. Der beste Aussichtspunkt liegt im Bereich des Auroraovals, das sich üblicherweise nördlich von der norwegischen Stadt Tromsø befindet, aber man kann die Polarlichter oft auch weiter im Süden sehen. Die Art des Lichtspiels, das man zu sehen bekommt, hängt davon ab, wo man sich in Relation zum Auroraoval befindet. „Die Aktivität des Lichts hängt außerdem auch von der Art der elektrisch geladenen Partikel ab, die in die Atmosphäre eintreten sowie davon, wie viel Energie sie haben und wie viele Kollisionen zu einem bestimmten Zeitpunkt auftreten“, erklärt Dr. Mason. „Große Sonneneruptionen führen auch zu einem stärkeren Zustrom von Teilchen, wodurch sich das Auroraoval intensiviert und aktiver wird.“ Die Klimaveränderungen in der Arktis in den letzten Jahrzehnten hatten keine Auswirkungen auf die Leuchtkraft der Nordlichter, da sie sich in so großer Höhe befinden. „Die Veränderungen, die ich beobachten konnte, beziehen sich auf das Wetter und das Klima der Arktis. Es ist jetzt im Allgemeinen milder und schwankt stärker“, sagt Dr. Mason. „Auf lange Sicht werden Veränderungen am Magnetfeld der Erde auftreten, und das wird sich letztendlich auf das Nordlicht auswirken.“

© Dr John W. Mason

Eine Brücke in den Himmel

Schilderungen von Nordlichterlebnissen reichen mehr als 3.000 Jahre in die Vergangenheit zurück. Urzeitliche Zivilisationen waren von dem Lichtspektakel am Himmel so überwältigt, dass eine Reihe von Legenden darüber entstanden. Eine der bekanntesten besagt, dass das Nordlicht eine Brücke zwischen Himmel und Erde darstellt und es sich bei den Strahlen um die Seelen der Toten auf ihrem Weg in den Himmel handelt. Die Wikinger glaubten, die Lichter seien Reflexionen von den Schilden und Rüstungen der Walküre.

„Es ist wirklich erstaunlich, was man so zu sehen bekommt“, sagt Dr. Mason. „Vor einigen Jahren habe ich Nordlichter beobachten können, die wie ein Drache aussahen. Ich hatte Gänsehaut. Wenn die Lichter ihre Form ändern, entwickeln sie einen ganz eigenen Charakter. Dadurch sind sie heute noch genauso faszinierend für mich wie bei meinem ersten Erlebnis.“

© Dr John W. Mason

Ein Blick in die Zukunft

Momentan hält Dr. Mason, der 2009 mit dem britischen MBA-Ritterorden ausgezeichnet wurde, den Blick fest auf den kommenden Herbst in der nördlichen Hemisphäre gerichtet. Er hofft, dann bei der nächsten Hurtigruten-Seereise nach der bevorstehenden Lockerung der Beschränkungen nach Norwegen zurückzukehren. „Es ist immer wieder ein unglaublich faszinierendes Abenteuer. Und wenn man so etwas mit anderen teilen kann, potenziert es sich noch“, sagt er. „Wenn ich in den Himmel blicke, um nach dem Nordlicht Ausschau zu halten, denke ich jedes Mal: Was für ein Glück ich doch habe, das erleben zu dürfen.“

Hurtigruten bietet eine Reihe von Expeditions-Seereisen an, auf denen Sie in den Genuss der Polarlichter kommen. Da wäre zum Beispiel unsere Norwegen-Expeditionen mit MS Otto Sverdrup ab Hamburg oder die Gruppenreisen „Nordlicht & Sterne“ auf der klassischen Postschiffroute.

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